die geschichte vom pizzabäcker
Mal abgesehen davon, dass ich gestern wohl die zwei schlechtesten Klausuren meines Lebens geschrieben habe, hatte ich einen ganz großartigen Tag. Denn mir ist mal wieder aufgefallen, dass mir in meiner Zeit hier in Frankreich ganz viele großartige Menschen begegnet sind. Natürlich musste ich auch weniger schöne Erfahrungen machen, doch wenn ich sie gegen die schönen Momente aufwiege, dann sind sie plötzlich verschwindend gering.
Ich hab sehr viele neue Freunde gefunden, aber es waren auch Menschen dabei, die mich nur für ein paar Augenblicke begleitet haben. Und genau diese kleinen Momenten zeigen mir immer wieder, dass ich die Menschen hier unglaublich gerne habe. Sie sind offen, freundlich und einfach liebenswürdig.
Gestern habe ich zum Beispiel eine SMS von der belgischen Stuardess bekommen, die ich damals auf der Fahrt nach Lille im TGV kennengelernt habe. Wir haben damals etwa eine halbe Stunde miteinander gequatscht und ich habe ihr davon erzählt, wie sehr ich mich in Bordeaux verliebt habe. Und sie sagte: “Hier ist meine Nummer, sag Bescheid, wenn du noch einmal dort hinkommst. Ich wohne dort und du kannst mich gerne besuchen.” Und gestern fragte sie, ob ich es noch schaffe vor meiner Rückreise nach Deutschland vorbeizuschaun, wenn nicht, dann solle ich doch einfach mal mir AIRFrance fliegen (da arbeitet sie nämlich).” Sicher ist für uns beide zumindest, dass man sich irgendwann bestimmt wieder über den Weg laufen wird.
An einen anderen Menschen habe ich ebenfalls gestern denken müssen. Ich war mit Julia in “unserer” Pizzaria im Einkaufscenter. Ganz am Anfang des Semesters saßen wir da auch schon und haben Pläne für unser ERASMUS-Abenteuer geschmiedet. Und als wir da so saßen und aßen, kamen wir mit dem Pizzabäcker ins Gespräch. Es war ein gemütlich dreinschauender und stets schmunzelnder Mann um die 50 und er erzählte uns von seinem Leben. Und was er da erzählte, das hat mich zum einen sehr inspiriert und zum anderen sehr berührt.
Er folgte sein Leben lang seinem Herzen. Er reiste viel und lebte in vielen verschiedenen Ländern, denn er war stets dort, wo ihn die Liebe hinverschlug. Die Grenzen, egal ob geographischer oder sprachlicher Art, waren ihm dabei egal. Er suchte sich immer einen Job, der ihn über Wasser hielt und genoß das Leben mit der Frau, die ihn in dieser Zeit glücklich machte. Und irgendwann verschlugen ihn die Liebe und das Schicksal wieder an einen anderen Ort. Aber er war stets zufrieden und glücklich. Und heute bäckt er mit unerschütterlich guter Laune Pizza in Grenoble. Und er ist einfach glücklich mit sich selbst und seinem Leben.
So leichtherzig bin ich ja nicht und ich bin ja doch ein bisschen Karrieremensch. Ich freue mich schon so sehr auf das Praktikum in München und darauf endlich das Studium hinter mich zu bringen und in meinen Traumberuf zu starten. Doch auch wenn der Pizzabäcker ein ganz anderer Typ Mensch ist, ist er doch sowas wie ein kleines Vorbild für mich geworden. Man sollte einfach seinem Herzen und seinem eigenen Weg folgen, egal in welcher Art und Weise, so wird man sicher am glücklichsten im Leben.
Januar 14, 2009
Menschen wie der Pizzabäcker sind einfach nur bewundernswert und super! Ich finde, dass is dein schönster Eintrag bis jetzt.